insideDaily 159/19Pitstop - Richtig trainieren
Training hängt mehr mit der Psychologie und dem Gehirn zusammen, als man denkt. Unser Gehirn denkt dabei in zwei unterschiedlichen Kategorien. Die eine ist schnell, intuitiv, emotional und benötigt wenig Energie. Das andere ist das Gegenteil; Langsam, bewusster, logischer und algorithmischer.
Da die zweite Kategorie mehr Energie verbraucht, geht unser Gehirn gerne den Weg des geringeren Widerstands und versucht die erste Kategorie zu nutzen. Erst wenn eine größere Aufgabe ansteht, wird die zweite Kategorie genutzt, so dass sich beide ergänzen. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch irgendwann die Energie aufgebraucht ist und so die zweite Kategorie nicht mehr genutzt werden kann. Das kann dabei so weit gehen, dass selbst einfache Aufgaben nicht mehr lösbar sind.
Wenn man also einen engen Zweikampf hat, dann wird die zweite Kategorie genutzt. Dauert dieser Kampf zu lange, kann es leicht zu Fehlern kommen und das Gehirn setzt einfach aus. Der gleiche Effekt wird ausgelöst, wenn man beim Fahren an andere Dinge denkt. Das Gehirn geht in den Autopiloten der ersten Kategorie und wichtige Informationen werden übersehen.
Was kann man also machen, um dies zu verhindern? Ganz einfach: Diese Situationen sollten so alltäglich werden, dass der Körper mit wenig Energie die Aufgabe lösen kann. Dazu muss man diese Situationen immer und wieder üben, um schließlich einen Automatismus zu bekommen. Der Effekt ist folglich weniger Energieverbrauch und man ist länger geistig fit. Das gleiche ist übrigens auch das, was Talent bewirkt: Weniger Energieverbrauch im Körper und damit dauerhaft bessere Leistungen.
Das Limit sollte also möglichst oft gefunden werden, um so den Körper genau in diesem Bereich zu trainieren. Damit bleibt mehr Energie, um sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Ein guter Rennfahrer kann auch auf der echten Rennstrecke über die Strategie oder Gegner diskutieren, ohne dabei langsamer zu werden. Er hat einfach diese Ressourcen über und genügend Energie in Reserve. Man kann es aber auch so sehen: Wer die Nordschleife auswendig kennt, der denkt nicht mehr über die Bremspunkte nach. Er weiß einfach, wie er den aktuellen Abschnitt zu fahren hat und fährt intuitiv.
Genau das gilt es mit Training zu erreichen. Man wird zwar vielleicht nicht direkt schneller, aber man wird in seinem Verhalten deutlich sicherer. Das führt dazu, dass man auch gleichmäßiger fährt und damit schließlich über einen längeren Run dennoch deutlich schneller ist. Das Gehirn gewinnt dazu Zeit und Energie, um sich um das Überholen oder die Strategie zu kümmern. Hat man das reine Fahren als etwas intuitives übernommen, hat man richtig trainiert.